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New Work, eine bahnbrechende Idee

 

Was Frithjof Bergmann vorschwebte – und was daraus wurde

 

 

 

Wann fängt die Zukunft eigentlich an? Übermorgen, morgen, oder gar schon heute? Das neue Arbeiten begann bereits Ende der 1970er Jahre – zumindest im Kopf von Frithjof Bergmann. Als Sozialphilosoph beschäftigte er sich mit der Frage, wie eine menschengerechte Welt aussehen könnte, insbesondere die Arbeitswelt. 1949 (da war er knapp 19 Jahre alt) schrieb er einen Aufsatz zum Thema „Die Welt, in der wir leben wollen“ und gewann damit ein Studienjahr in Oregon. Er zog von Österreich in die USA und blieb dort auch. Die Arbeitswelt lernte Bergmann in allen Facetten kennen. Er war Hafenarbeiter, Tellerwäscher (sic!), Preisboxer und Fließbandarbeiter. Besonderes Letzteres muss sein Denken tiefgreifend geprägt haben. Nach seinem Philosophiestudium in Princeton, wo er promovierte, erhielt er diverse Lehraufträge und veröffentlichte schließlich 1977 seine Schrift „On Being Free“. Die Kritik am Kapitalismus und dessen Strukturen war zunächst stark philosophisch geprägt, nahm aber in der Autostadt Flint – 50 Meilen von der Universität Michigan entfernt, wo er dozierte – konkrete Züge an.

 

 

 

Der Wechsel ist radikal und rasant

 

Anfang der 1980er Jahre wurden die USA von Entlassungswellen in der Automobilindustrie geschüttelt. Die Krise bei General Motors sollte aber erst der Anfang sein. Die Automatisierung schritt flächendeckend voran, handische Arbeit war nicht mehr gefragt. Etwa 200 Jahre zuvor hatte der Wechsel von der Agrar- zur Industriegesellschaft bereits ein neues Zeitalter eingeläutet, das das Leben, Arbeiten, Konsumieren, aber auch das Denken der Menschen radikal änderte. Nun kündigte sich erneut ein solcher Umbruch an: von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Erste Personalcomputer kamen auf den Markt. Massive soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme nahmen Gestalt an, die Globalisierung verschärfte den Wettbewerb und gefährdete Arbeitsplätze.

 

 

 

Was die Arbeiter „wirklich, wirklich wollen“

 

Frithjof Bergmann sah, dass sich die klassische Lohnarbeit unter den geänderten Bedingungen zunehmend dysfunktionaler darstellte und absehbar als Modell ausgedient hatte. Und dass die Menschen diese Art von Arbeit nicht glücklicher machte. Im Gegenteil. Noch mehr Konsum konnte diese Unzufriedenheit, zu der sich nun auch noch Unsicherheit gesellte, nicht mehr kompensieren. 1984 gründete er das erste „Zentrum für Neue Arbeit“ in Flint und schlug General Motors vor, statt die Hälfte der Arbeiter zu entlassen – und damit die „halbe Stadt arbeitslos und die andere Hälfte überarbeitet“ zu machen –, besser alle Beschäftigten nur noch sechs Monate im Jahr zu beschäftigen. Die Maßnahme bezeichnete er als „horizontalen Schnitt“. In der frei gewordenen Zeit sollten die Arbeiter ins Zentrum für Neue Arbeit kommen, um herauszufinden, was sie „wirklich, wirklich wollen“. Nicht, um ihre Freizeit zu planen, sondern um mit kreativen Ideen tatsächlich Geld zu verdienen.

 

Damals hörte sich das nach Utopie an. Arbeiter, die tun, was sie wirklich wollen? Die frei über ihre Zeit entscheiden? Die selbst Geschäftsmodelle entwickeln, um sich (auch räumlich) unabhängig zu machen? Undenkbar. „Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen“, schrieb der revolutionäre Vordenker. Also eine Umkehrung der Verhältnisse. Die Arbeit „sollte uns mehr Kraft und Energie verleihen (…), bei unserer Entwicklung unterstützen, lebendigere, vollständigere Menschen zu werden.“ Bis ins hohe Alter war Frithjof Bergmann ein gefragter Redner auf Kongressen und New-Work-Events. Aktuell tritt er etwas leiser. Ihn als ergrauten, aber immer noch geistesgewitzten „Business Punk“ zu bezeichnen, ist sicher nicht abwegig.

 

 

 

Arbeit verantwortungsvoll gestalten

 

Heute sind die Ideen des zauseligen Philosophen Realität – wenn auch mit etwas weniger Sozialromantik durchsetzt. Der von Bergmann geprägte Begriff des New Work ist mittlerweile weiter gefasst, beschreibt innovative Ansätze für Freelancer, Angestellte wie auch Führungskräfte. Homework, Sabbatical, Coworking Spaces, Projektgruppen und Agiles Management sind nur einige Stichworte, die in diesem Zusammenhang fallen. Und gewiss kann dieses Neudenken wiederum nur ein Anfang sein, da die Zeit nicht stillsteht und die Digitalisierung keine Grenzen kennt. Jedoch muss nicht jede Grenzüberschreitung per se sinnvoll und für den Planeten verträglich sein. Hier ist gerade die junge Generation gefragt, die eigene Vorstellungen mitbringt, um Freiheit und Selbstbestimmung mit Nachhaltigkeit und Gemeinwohl in Einklang zu bringen. Die FreelanceAcademy arbeitet daran.

 

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